15.06.2016

Die 1. LitBlog Convention in Köln [#LBC16]


Als Anfang März die Kölner Verlage DuMont Buchverlag, DuMont Kalenderverlag, Egmont LYX/ INK, Kiepenheuer & Witsch und Bastei Lübbe bekannt gaben eine Convention für Literaturblogger in Köln zu veranstalten, konnte ich mir zwar nicht wirklich etwas darunter vorstellen, war aber so neugierig, dass ich mir ein Ticket gekauft habe. Am 04. Juni war es dann soweit. 

Um 13 Uhr gab es dann ein erstes Zusammentreffen im Foyer des Verlagshauses. Bei Kuchen und kühlen Getränken traf man auf neue und altbekannte Gesichter. Nach einer kurzen Eröffnungsrede von Mitarbeiterinnen der mitwirkenden Verlage stürmten gegen 14 Uhr alle ins Treppenhaus um sich auf die Räume für die ersten Sessions zu verteilen. Meine ersten beiden gewünschten Veranstaltungen waren leider schon voll. Um keinen Leerlauf zu haben, habe ich mir dann die Session mit Vea Kaiser angeschaut. 

Vea Kaiser und Reinhold Joppich

Wieso bin ich jetzt eigentlich Schriftstellerin? Vea Kaiser erzählt, was sie zum schreiben brachte - obwohl sie das eigentlich nie wollte!

Der Name Vea Kaiser ist mir natürlich ein Begriff, auch wenn ich noch kein Buch von ihr gelesen habe. Bereits nach wenigen Sätzen ist klar dass die in Wien lebende Autorin sehr sympathisch ist. Doch auch Reinhold Joppich, der ehemalige Vertriebsleiter von KiWi, welcher das Gespräch mit Vea führt, wirkt durch seine rheinische Art sehr sympathisch. Vea erzählt sehr lebendig und bildhaft von ihrer Kindheit und Jugend und davon, wie sie zum schreiben kam. Interessant fand ich auch, dass die Autorin erzählt dass sie ein sehr analoger Mensch ist und vieles mit der Hand schreibt. Natürlich schreibt sie nicht nur, sondern liest auch gerne. Vea hätte gerne ein Kind von John Irving und kennt alle seine Tattoos. Am liebsten liest sie "fette Schinken die realistische Welten erzählen" denn sie findet, dass dünne Bücher eine "Verarsche sind, die den Leser viel zu schnell wieder rausreißen". Interessant wird es auch, als Vea, die Kritik nur dann mag wenn sie gut ist, von ihrer Arbeit mit ihrer "rattenscharfen und blitzgescheiten" Lektorin erzählt. Die Zeit ist wirklich sehr schnell vergangen und durch ihre tolle Erzählweise werde ich sicherlich demnächst einen ihrer Romane lesen. 

Ich mag Literatur, ich mag Städte und ich mag Los Angeles. Somit war mir auch klar, welche Session ich als nächstes besuchen wollte:

Die vielleicht wahnsinnigste Metropole der Welt - Literarischer Städtebau mit Jan Brandt und Jan Valk

Die Session wurde durch den Lektor Jan Valk eröffnet. Nach einigen Worten über Jan Brandt und seine bisherigen Werke übernimmt Jan Brandt selbst das Wort. Er erzählt von seiner Zeit in LA und seinem Vorhaben ein Amerika-Buch zu schreiben. Da er am besten über etwas schreibt, was er kennt, hat sich Jan Brandt in die Stadt LA geworfen, hat sich treiben lassen und geguckt, was mit ihm dabei geschieht. Dabei trifft er auf die verschiedensten Menschen, lässt sich von einem Gangsta-Rapper namens "Kleine Unterhose" durch sein Viertel führen und wird zufällig Zeuge eines Mordes. Diesen Mord hat Jan Brandt aufgearbeitet und vor zwei Jahren hier (https://krautreporter.de/112--mord-fur-ein-skateboard) bei den Krautreportern veröffentlicht. All diese Begegnungen werden Bestandteil seines neuen Werkes "Stadt ohne Engel", welches im September bei DUMONT erscheint. Der Autor selbst bezeichnet das Buch als journalistische Erzählung, denn er hält sich an real Erlebtes und nimmt sich die Freiheit es wörtlich besser auszuschöpfen. Nach dem Gespräch hat Jan Brandt noch einige Absätze aus "Stadt ohne Engel" gelesen. Das Gelesene wirkt auf mich melancholisch und traurig aber auch sehr lebensnah. Jan Brandt schaut genau hin und zeigt das Gesicht Los Angeles jenseits von Hollywood und Glamour. 

Büdchenliebe mit Stefan Matthiessen
Auf die dritte Session habe ich mich schon lange gefreut. Das Büdchenliebe-Projekt ist mir schon länger durch Instagram und Twitter bekannt und somit war ich sehr gespannt auf den Blogger und Fotografen Stefan Matthiessen. 

Büdchen - die Seele einer Stadt. Kölle is e Jeföhl! Am besten lässt sich das an der Büdchen-Kultur ablesen. 

Kiosk, Trinkhalle, Späti, Wasserhäuschen oder eben Büdchen - es gibt viele, meist von der Region abhängige Bezeichnungen, für die Orte, die so viel mehr sind als nur eine Stelle um mal eben ein Kölsch und ein paar Chips zu kaufen. Und nicht nur bei mir weckt der Gedanke an eine gemischte Tüte Kindheitserinnerungen. Büdchen sind Orte der Begegnung und erzählen Geschichten. Nicht nur ihre eigene, sondern auch die ihrer Besitzer und der Kunden. Und von diesen Geschichten hat uns Stefan auf sehr unterhaltsame Weise erzählt. So habe ich zum Beispiel viel Neues über ein Büdchen erfahren, welches viele Jahre lang auf meinem Arbeitsweg lag und an welchem ich am Vortag noch gewesen bin. Mir hat die Session von allen Sessions am besten gefallen und meine Vorfreude hat sich gelohnt!


Trotz Smartphone, Tablet und Laptop kann ich auf einen Kalender aus Papier, vollkommen analog und gefühlt heute altmodisch, nicht verzichten. Zudem mag ich schöne Kalender sehr. Deswegen habe ich mir als letzte Veranstaltung eine weitere Session des DuMont Kalenderverlags ausgesucht. 

Und es gibt sie immer noch... Kalender auf Papier. Trotz digitaler Konkurrenz sind Kalender aus Papier nicht totzukriegen. Im Gegenteil. 

Kalender sind nicht nur in ihrem Format, sondern auch in ihren Themen sehr vielfältig und unterschiedlich. Da Kalender in der Regel zwei Jahre im voraus erstellt werden ist es besonders wichtig, einen Blick auf aktuelle und vor allem zukünftige Trends zu haben. Bei jedem Kalender muss erneut die Entscheidung getroffen werden, ob dieses Thema auch in zwei Jahren noch so angesagt ist, dass die Leute einen entsprechenden Kalender kaufen. Neben den aktuellen Trends gibt es jedoch auch unter den Kalendern absolute Klassiker, wie den DuMont Küchenkalender oder den DuMont Gartenkalender. Diese Klassiker haben eine treue Fanbasis und werden bereits seit vielen Jahren hergestellt. Diese und viele weitere Informationen haben zwei sehr nette Mitarbeiterinnen des DuMont Kalenderverlags auf interessante Art und Weise vermittelt. Die Einblicke in die verschiedenen Arbeitsschritte von der Idee zum fertigen Kalender fand ich sehr interessant. 

Nach der letzten Veranstaltung gab es wieder eine Zusammenkunft mit anschließendem Abendessen im Foyer. Nach dem Essen wurde es merklich leerer, wobei einige noch bis in den Abend hinein gefeiert haben. 

Ich fand die Organisation der Veranstaltung sehr gut. Und auch wenn sich am Morgen vor der ersten Session alles etwas geknubbelt hat und der Andrang am Abend auf das Buffet groß war, was zu Wartezeiten geführt hat, war insgesamt doch alles gut organisiert und verlief reibungslos. 

Eine großzügige Goodie-Bag gab es auch. 
Mir hat die erste LitBlog Convention sehr gut gefallen. Die angebotenen Programmpunkte fand ich informativ und unterhaltsam, wobei ich mich manchmal gerne zwei-, drei- oder viergeteilt hätte, weil ich die anderen Programmpunkte ebenfalls interessant fand. Mir hat es gefallen einen Einblick in die Arbeit der Verlage zu erhalten und mehr über die Entstehung von Büchern und Kalendern zu erfahren. Sowohl am Tag der LitBlog Convention als auch über die sozialen Netzwerke habe ich gehört, dass einige andere Teilnehmer kritisiert haben, dass es zu wenig Programmpunkte für Blogger gab. Diese Kritik kann ich persönlich nicht teilen. Ich bin gespannt, ob es im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben wird, an welcher ich wieder gerne teilnehmen werde. 

29.05.2016

Wild - Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst



"If it is impossible for you to go on as you were before , so you must go on as you never have!"[Cheryl Strayed] 
Nach dem Tod ihrer Mutter, dem Verlust ihrer Familie und der Trennung von ihrem Mann steht Cheryl Strayed mit 26 Jahren vor dem Nichts. Zufällig fällt ihr ein Buch über den Pacific Crest Trail in die Hand. Aus einer Idee wird ein Plan und so macht sich Cheryl auf den mehr als tausend Meilen langen Weg durch den Westen der USA. Ihr Rucksack namens Monster ist zu schwer und ihre Wanderstiefel sind zu klein. Wandererfahrung hat Cheryl keine, dafür jede Menge Willensstärke und Mut. Der Trail verlangt ihr körperlich und seelisch alles ab, bringt sie an ihre Grenzen und weit darüber hinaus.

"Ich liebe dieses Buch" macht zwar keine Rezension aus, sagt aber eigentlich alles aus. Cheryl Strayed hat mich mit "Der große Trip" auf eine Art und Weise getroffen, wie es noch keinem Autor zuvor gelungen ist. Sie schreibt sehr gefühlvoll und emotional, aber auch inspirierend und Mut machend. Ihre Sprache ist dabei einfach und direkt und lässt sich gut lesen. Das Buch ist voller kluger Worte und Weisheiten, die zu Herzen gehen und nachdenklich machen.

Cheryl ist einfach unglaublich und ich habe größten Respekt vor ihr. Sie hat sich mit ihren Ängsten, physischen und psychischen Schmerzen, ihrer Unerfahrenheit beim Wandern durch die Wildnis und der Trauer um ihre Mutter auseinander gesetzt und hat nie aufgegeben.

"Fear, to a great extent, is born of a story we tell ourselves, and so I chose to tell myself a different story."
[Cheryl Strayed] 

Auch die Beschreibungen des Pacific Crest Trails haben mir ausgesprochen gut gefallen. Die Landschaft ist sehr vielfältig und Cheryl Strayed gelingt es gut, all diese Eindrücke einzufangen und festzuhalten. Schon während des Lesens habe ich mir im Internet Bilder und Videos von den Streckenabschnitten, auf welchen Cheryl im Buch gerade gewandert ist, angeschaut. Dieses Video bietet einen tollen Eindruck von der unterschiedlichen Natur entlang des PCT. Es zeigt auch, dass eine solche Wanderung kein Sonntagsspaziergang ist:


Ich habe beim Lesen viel über das Wandern gelernt und die Autorin hat eine ganz große Sehnsucht in mir entfacht auch Wandern zu gehen. Kurz nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, habe ich mir Wanderstiefel gekauft. Seit dem gehe ich regelmäßig Wandern und habe auch meinen Urlaub wandernd verbracht.

Mir hat das Buch sehr viel gegeben und ich kann eigentlich gar nicht richtig in Worte fassen, wie toll es ist. Gleich nach dem ersten Lesen hätte ich es am liebsten noch einmal zum ersten Mal gelesen. Deswegen habe ich mir auch noch die englische Ausgabe gekauft und es noch einmal gelesen. Inzwischen habe ich schon viele Male einfach nur im Buch geblättert und einzelne Passagen nachgelesen.


Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst | Cheryl Strayed | Goldmann Verlag | 2014 | Taschenbuch | 448 Seiten | ISBN: 978-3442158126 | Preis: 9,99€

28.05.2016

Am Ende bleiben die Zedern


Kurz vor seiner Geburt flüchten Samirs Eltern aus dem Libanon nach Deutschland. Samir wächst wohlbehütet, umgeben von den Geschichten seines Vaters über den Libanon, auf. Als Samir 8 Jahre alt ist, verschwindet sein Vater spurlos. 20 Jahre später macht er sich auf den Weg in den Libanon um seinen Vater, vor allem aber auch sich selbst, endlich zu finden.

Pierre Jarawan ist ein großartiger Erzähler. Bereits nach wenigen Seiten wurde ich in den Sog der Geschichte gezogen. Sehr feinfühlig und einfühlsam erzählt er Samirs Geschichte, die mal Familiengeschichte und mal die Geschichte des Nahen Ostens ist. Dabei schildert Pierre Jarawan die Personen, Orte und Situationen sehr lebensnah.

Ohne zu belehren oder zu langweilen übermittelt der Autor sehr viel Wissen über den Libanon und die politischen Geschehnisse der vergangenen Jahre sowie deren Auswirkungen auf die heutige Zeit.
Auch die Beschreibungen von Beirut haben mir sehr gut gefallen und mich neugierig auf die Stadt gemacht.

Gegen Ende hat sich die Geschichte leider etwas gezogen. Auch fand ich einige Entwicklungen gegen Ende leider etwas unglaubwürdig. Hier war mir etwas zu viel Zufall im Spiel. Davon abgesehen fand ich den Verlauf der Geschichte jedoch sehr realistisch. Besonders Samirs persönliche Entwicklung war gut nachvollziehbar.

Insgesamt hat mir "Am Ende bleiben die Zedern" sehr gut gefallen. Der Autor schreibt packend und atmosphärisch sehr dicht und ich habe Samir gerne bei seiner Reise in den Libanon begleitet.

Am Ende bleiben die Zedern | Pierre Jarawan | Berlin Verlag | 2016 | Hardcover | 448 Seiten | ISBN: 978-3827013026 | Preis: 22€ |

13.03.2016

Hartland - Zu Fuß durch Amerika


Eine literarische Reise durch die USA

Wolfgang Büscher ist drei Monate lang durch Amerika gewandert. 3500 KM von Nord nach Süd. Von Norddakota nach Texas.

In "Hartland" erzählt er von dieser Wanderung. Und auch wieder nicht, denn er erzählt weniger vom Wandern an sich, sondern mehr von dem was er sieht und was ihn umgibt, aber auch von dem, was gewesen ist. Wolfgang Büscher beschreibt die Landschaften die er durchläuft, die Orte die er durchquert und erzählt von den Menschen, denen er begegnet. Immer wieder erzählt er auch von der Vergangenheit Amerikas, von den Indianern, Siedlern, Gold- und Glückssuchern, von den Kriegen aber auch von aktuellen Krisen wie der Wirtschaftskrise.

Mit seinem tollen Schreibstil hat der Autor dabei ständig viele Bilder vor mein inneres Auge gezeichnet. Ich hörte das rauschen des Windes, das knirschen des Schnees, sah die Weite der Prärie und erlebte auch seine Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen mit. Wolfgang Büscher ist ein guter Erzähler und lässt den Leser an seiner Reise und seinen Erlebnissen sehr intensiv teilhaben.

Auch wenn mir der Schreibstil Büschers sehr gut gefallen hat, so konnte ich "Hartland" doch nicht in einem Rutsch durchlesen. Für mich war das Buch daher der ideale Begleiter für die tägliche Bahnfahrt ins Büro.

Hartland: Zu Fuß durch Amerika | Wolfgang Büscher | Rowohlt Berlin | 2011 | Hardcover | 304 Seiten | 19,95€ | ISBN 978-3871346859 |